Die Vorlesung ist vorbei. Vor dir liegen drei Seiten voller Stichpunkte, Pfeile und Randnotizen. Und du hast keine Ahnung, was davon wichtig war. Willkommen im Club. Eine gute Mitschrift entsteht nicht durch Fleiß, sondern durch Auswahl. Hier erfährst du, wie du in der Vorlesung mitschreibst, welche Notiztechnik zu deinem Fach passt und was du danach mit deinen Notizen anstellst.
Was ist eine gute Mitschrift?
Eine gute Mitschrift hält die Kernaussagen einer Vorlesung in deinen eigenen Worten fest, nicht jedes gesagte Wort. Sie ist kurz, klar gegliedert und so geschrieben, dass du sie in drei Wochen noch verstehst. Ein Protokoll dokumentiert. Eine Mitschrift hilft dir beim Lernen.
Wer alles aufschreibt, denkt nicht mit. Wer auswählt, muss verstehen, was gerade passiert. Genau dieses Sortieren macht aus Zuhören Lernen. Dein Kopf trennt Wichtiges von Unwichtigem, während der Stoff noch frisch ist.
Gute Notizen erfüllen drei Aufgaben:
- Sie halten dich in der Vorlesung wach und bei der Sache.
- Sie zeigen dir Zusammenhänge, die im Foliensatz fehlen.
- Sie liefern das Rohmaterial für später: fürs Wiederholen, für Lernzettel, für die Prüfung.
Wie schreibst du in der Vorlesung richtig mit?
Hör zuerst zu, dann schreib das Wesentliche in Stichworten auf. Nutze Schlüsselwörter statt Sätze, eigene Abkürzungen und ein festes Seitenlayout. Alles, was du nicht sofort erfasst, markierst du und klärst es nach der Vorlesung.
Vor der Vorlesung: Seite vorbereiten
Schreib Datum, Veranstaltung und Thema oben auf die Seite. Klingt spießig, rettet dich aber in der Klausurphase. Lass rechts oder links einen breiten Rand frei. Dort landen später Fragen, Ergänzungen und Querverweise. Wenn die Folien vorab online stehen: kurz überfliegen. Dann musst du Definitionen nicht abschreiben, sondern kannst zuhören.
Schlüsselwörter statt ganzer Sätze
Notiere nur die zentralen Begriffe und Ideen. Dein Ziel ist der Kern der Aussage, nicht das Wortprotokoll. Ein Beispiel aus der Geschichtsvorlesung:
- Gesagt: „Die Französische Revolution begann 1789 als Reaktion auf soziale Ungleichheit und politische Missstände.“
- Notiert: „Franz. Rev. 1789 ← soz. Ungleichheit, polit. Missstände“
Die Aussage bleibt vollständig. Der Satzbau fällt weg. Du sparst Zeit und musst den Gedanken trotzdem verarbeiten, bevor du ihn aufschreibst.
Abkürzungen und Symbole: dein eigenes Kürzelsystem
Wer mitschreibt, schreibt gegen die Uhr. Ein festes Set an Kürzeln hilft dir, das Tempo zu halten. Ein paar Klassiker zum Start:
- → führt zu, bewirkt
- ← wegen, folgt aus
- = ist, bedeutet
- ≠ ist nicht, Gegensatz
- ! wichtig, klausurrelevant
- ? nicht verstanden, später klären
- Def. Definition, Bsp. Beispiel
Erfinde für Begriffe, die in deinem Fach ständig fallen, eigene Kürzel. Wichtig ist nur: Bleib dabei. Ein Kürzel, das jede Woche etwas anderes bedeutet, macht deine Notizen zum Rätselheft.
Farben: wenig, aber mit System
Farben helfen, wenn jede Farbe eine feste Bedeutung hat. Zum Beispiel Blau für Definitionen, Rot für Beispiele, Grün für Klausurstoff. Drei Farben reichen. Eine Seite in Regenbogenoptik sieht fleißig aus, zeigt dir aber nichts mehr. Wenn alles markiert ist, ist nichts markiert.
In eigenen Worten schreiben
Formuliere um, was du hörst. Das zwingt dich, den Inhalt zu verstehen. Merkst du, dass du es nicht umformulieren kannst? Dann setz ein Fragezeichen an den Rand. Das ist kein Scheitern, sondern deine To-do-Liste für die Nachbereitung.
Notiztechniken im Vergleich: Welche passt zu deinem Fach?
Welche Notiztechnik passt, hängt von der Art deines Stoffs ab, weniger vom Fach. Argumente und Begriffe ordnest du in Spalten, Zusammenhänge in Verzweigungen, Abläufe in Diagrammen. Viele kombinieren zwei Techniken auf einer Seite.
| Notiztechnik | So funktioniert sie | Passt gut zu | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Cornell-Methode | Seite in drei Bereiche: Notizen, Stichwortspalte, Zusammenfassung | Geistes- und Sozialwissenschaften, Jura, textlastige Vorlesungen | Rechts die Argumente einer Theorie, links die Leitfragen, unten drei Sätze Fazit |
| Gliederung (Outline) | Hierarchische Stichpunkte mit Einrückungen | Vorlesungen mit klarer Struktur und vielen Unterpunkten | 1. Marktformen – 1.1 Monopol – 1.2 Oligopol |
| Mindmap | Zentraler Begriff in der Mitte, Äste für Unterthemen | Naturwissenschaften, Themen mit vielen Verbindungen | „Photosynthese“ in der Mitte, Äste zu Lichtreaktion, Dunkelreaktion, Chloroplasten, Bedeutung fürs Ökosystem |
| Skizze und Diagramm | Zeichnung mit Beschriftung statt Text | Technik, Ingenieurwesen, Medizin | Aufbau eines Motors als Schema, jedes Bauteil beschriftet |
| Tabelle und Flussdiagramm | Vergleiche in Spalten, Abläufe als Kästchen mit Pfeilen | Wirtschaftswissenschaften, Informatik, Prozesse | Geschäftsprozess als Flussdiagramm mit allen Entscheidungspunkten |
Cornell-Methode: der Allrounder
Die Cornell-Methode teilt jede Seite in drei Zonen. Rechts schreibst du in der Vorlesung mit. Links trägst du danach Stichworte und Leitfragen ein. Unten fasst du die Seite in wenigen Sätzen zusammen. Der Clou: Die linke Spalte wird später zum Abfragewerkzeug. Du deckst die rechte Seite ab und beantwortest die Fragen aus dem Kopf. Wir sind bekennende Fans dieser Methode und haben dafür ein eigenes Cornell-Notizbuch in A4 gemacht. Die vorgedruckten Spalten sparen dir das Linienziehen vor jeder Vorlesung.
Mindmaps und Skizzen: denken in Bildern
Nicht jeder Stoff will in Zeilen leben. Wenn du in der Biochemie zehn Stoffwechselwege auseinanderhalten musst, zeigt dir eine Mindmap mehr als jede Liste. In technischen Fächern ersetzt eine beschriftete Skizze eine halbe Seite Text. Du musst dafür nicht zeichnen können. Kästchen, Pfeile und Strichmännchen reichen. Wie du daraus richtige Lernbilder machst, zeigen wir dir im Artikel über Sketchnotes und Mindmaps. Warum Wort plus Bild so gut im Gedächtnis haftet, erklärt das Prinzip des Dual Coding.
Tabellen und Flussdiagramme: Ordnung für Prozesse
In BWL, VWL oder Informatik geht es oft um Abläufe und Modelle. Hier gewinnt, wer Schritte als Kästchen und Entscheidungen als Pfeile zeichnet. Vergleiche zweier Theorien passen in eine Tabelle mit zwei Spalten. In der Vorlesung reicht eine grobe Skizze. Sauber ausarbeiten kannst du sie danach.
Mitschreiben mit der Hand oder mit dem Laptop?
Entscheidend ist weniger das Gerät als die Art, wie du mitschreibst. Wer tippt, schreibt schneller und neigt dazu, wortwörtlich mitzuschreiben. Und genau das Abtippen ohne Nachdenken schadet dem Verständnis.
Die bekannteste Studie dazu stammt von Pam Mueller und Daniel Oppenheimer. Sie ließen Studierende Vorträge per Hand oder per Laptop mitschreiben. Die Laptop-Gruppe übernahm mehr Wörter wortwörtlich und schnitt bei Verständnisfragen schlechter ab (Mueller & Oppenheimer, Psychological Science 2014).
So eindeutig ist die Lage aber nicht. Ein Forschungsteam um Heather Urry wiederholte das Experiment 2021. Wieder schrieben die Laptop-Nutzer mehr und wörtlicher mit. Im Test schnitten sie aber nicht besser ab als die Handschrift-Gruppe. Aufschlussreich ist ein Detail: Mehr Wörter gingen mit besseren Ergebnissen einher, mehr wortwörtlich Übernommenes mit schlechteren (Urry et al., Psychological Science 2021).
Was heißt das für dich?
- Du tippst? Dann zwing dich zum Umformulieren. Kein Copy-Paste aus dem Mund des Profs.
- Du schreibst per Hand? Dann bist du langsamer und musst ohnehin auswählen. Das ist hier ein Vorteil.
- Du zeichnest viel? Formeln, Pfeile und Skizzen gehen mit Stift und Papier (oder Tablet mit Stift) schneller als mit der Tastatur.
Wir schlagen uns offen auf die Seite von Papier. Das ist Geschmack, keine Wissenschaft. Probier beides zwei Wochen lang aus und schau, mit welchen Notizen du danach besser lernst.
Warum Nachbereiten wichtiger ist als Mitschreiben
Eine Mitschrift ist ein Rohentwurf. Erst wenn du sie am selben oder nächsten Tag durchgehst, ergänzt und korrigierst, wird daraus Lernmaterial. Wer seine Notizen erst in der Klausurphase wieder aufschlägt, liest oft Hieroglyphen.
So gehst du vor:
- Lücken schließen: Kläre jedes Fragezeichen am Rand. Mit dem Skript, dem Lehrbuch oder mit Kommilitonen.
- Kürzen: Streich, was sich als unwichtig herausgestellt hat. Die Nachbereitung darf deine Notizen auch schrumpfen lassen.
- Fragen formulieren: Schreib zu jedem Abschnitt eine Frage in den Rand. Damit fragst du dich später selbst ab.
- Zusammenfassen: Drei Sätze pro Vorlesung unten auf die Seite. Kannst du das nicht, weißt du, wo du nachlegen musst.
- Wiederholen einplanen: Schau dir die Notizen in wachsenden Abständen wieder an. Wie das funktioniert, liest du im Artikel über Spaced Repetition.
Kurz vor der Prüfung verdichtest du deine Mitschriften dann zu Lernzetteln. Das ist ein eigener Arbeitsschritt mit eigenen Regeln. Wie das geht, zeigen wir dir in unserer Anleitung zum Lernzettel erstellen.
Die fünf häufigsten Fehler beim Mitschreiben
Die meisten Mitschriften scheitern nicht am Stift, sondern an Gewohnheiten. Diese fünf Fehler kosten dich am meisten Zeit.
- Alles aufschreiben wollen. Du wirst zum Diktiergerät und hörst nicht mehr zu.
- Folien abschreiben. Was im Foliensatz steht, musst du nicht kopieren. Notiere, was der Prof zusätzlich sagt: Beispiele, Betonungen, Hinweise auf die Klausur.
- Kein System. Jede Woche ein anderes Layout, andere Farben, andere Kürzel. Später findest du nichts wieder.
- Loses Zettelchaos. Ein Block hier, ein Collegeblatt dort, ein paar Notizen im Handy. Ein Notizbuch pro Modul oder ein durchnummeriertes System schafft Ordnung. Wenn du passende Hefte suchst, schau bei unseren Journals und Notizbüchern vorbei.
- Nie wieder reinschauen. Die schönste Mitschrift nützt nichts, wenn sie bis zur Klausur im Rucksack liegt.
Häufige Fragen zur Mitschrift
Wie viel sollte ich in einer Vorlesung mitschreiben?
So wenig wie möglich, so viel wie nötig. Halte Definitionen, Kernaussagen, Beispiele und alles fest, was der Prof betont oder als prüfungsrelevant bezeichnet. Was auf den Folien steht, musst du nicht abschreiben.
Was ist der Unterschied zwischen Mitschrift und Protokoll?
Ein Protokoll dokumentiert einen Ablauf für andere, möglichst vollständig und neutral. Eine Mitschrift schreibst du für dich selbst. Sie darf lückenhaft, verkürzt und voller eigener Kürzel sein, solange du sie verstehst.
Was mache ich, wenn der Prof zu schnell redet?
Lass Lücken und markiere sie mit einem Fragezeichen. Schreib nur Schlüsselwörter und nutze Abkürzungen. Die fehlenden Teile ergänzt du in der Nachbereitung aus dem Skript oder mit Kommilitonen.
Welche Notiztechnik ist die beste?
Die eine beste Technik gibt es nicht. Die Cornell-Methode ist ein guter Allrounder für textlastige Fächer. Mindmaps und Skizzen helfen bei vernetztem oder technischem Stoff. Probier zwei Techniken aus und bleib bei der, mit der du danach besser lernst.
Soll ich meine Mitschriften abtippen oder sauber abschreiben?
Nur, wenn du dabei etwas tust: kürzen, umformulieren, Fragen ergänzen. Reines Abschreiben kostet Zeit und bringt wenig. Die Nachbereitung ist der bessere Ort für Ordnung.

Kommentare
Ein Kommentar zu „Mitschrift im Studium: So schreibst du richtig mit“
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